Vortrags-Nachschau

Vortrags-Nachschau

Eduard Bargheer - Vortrag 15. März und Führung 6. April 2018

 

Dieser Hamburger Maler und Künstler hat uns gedanklich schon längere Zeit begleitet. Zum einen, weil sich die Erinnerung an ihn durch ein zu schaffendes Museum an einem bestimmten Platz als sehr gutes Vorhaben festgesetzt hatte, die Umsetzung jedoch Jahre in Anspruch nahm. Zum anderen, weil immer wieder einige seiner interessanten Werke in den Medien vorgestellt und kommentiert wurden. In „Unser Blatt“ November 2017 konnte Herr Dr. Wittchen dann endlich über die Eröffnung des Bargheer-Museums im Jenischpark berichten, und im März wie im April 2018 hat unser Bürgerverein zu einem Vortrag und zu einer separaten Besichtigung der neuen Ausstellung eingeladen. Über 30 Teilnehmer hatten sich zu dem Vortrag am 15. März in der VHS West angemeldet und es waren auch so viele gekommen.

 

Vorstandsmitglied Frhr. von Buddenbrock informierte zu Beginn über die Stiftung, die Architektenpläne sowie die bisherigen Investitionen von über 1 Mio. Euro, den Umbau des ehemaligen Gartenbauamtes, das den Charakter des alten Gebäudes unverändert ließ, und dass der Geräteschuppen zum Archiv werden soll. 15 Jahre hat die Stadt mit der „Stiftung Eduard Bargheer Museum“ einen Vertrag zur kostenlosen Nutzung geschlossen und eine Option für eine Verlängerung.

 

Frau Harms-Pohl brachte uns als Kunsthistorikerin wichtige Stationen des Künstlerlebens nahe und zeigte eine Reihe ausgewählter Werke, die sie fachkundig und engagiert erläuterte.

Eduard Bargheer, als Sohn eines Lehrers auf der Insel Finkenwerder 1901 geboren, ist nach vielen Auslandsaufenthalten und Reisen in Blankenese 1979 verstorben und auf Finkenwerder beigesetzt. Der Vater unterrichtete ihn und seine Geschwister in der Grundschulzeit, und später hieß es täglich die Elbe nach St. Pauli überqueren. Kindheit und Jugend unter Fischern und Obstbauern. Segeln als lebenslange Leidenschaft wie auch Musik. Die Eltern starben früh, der älteste Bruder wurde Vormund und es konnte eine Lehrerausbildung abgeschlossen werden, bei der der Zeichenunterricht große Bedeutung hatte. Zerwürfnis mit dem Bruder, als Eduard sich entschloss freier Künstler zu werden. Besuch einer privaten Kunstschule; Zugang zur Hamburger Sezession; 1925 erste Reise nach Florenz; Kontakte zur Welt der Bühne; 1927 2x Paris, wo ihn Cezanne begeistert; mit Malerin Gretchen Wohlwill Reisen in Europa und lebenslange Freundschaft; Fritz Schumacher erteilt 1928 einen ersten Auftrag für ein Wandbild; schon 1926 erster Ankauf eines Gemäldes durch die Hamburger Kunsthalle; eigenes Atelier in Finkenwerder, das 1935 wegen des Baus der Flugzeugwerke aufgegeben werden muss; Mitglied der Hamburger Sezession; weitere Reisen nach Italien und Paris; 1935 Erwerb einer Fischerkate in Blankenese mit Atelier; Bekanntschaft mit Paul Klee und Besuch der Insel Ischia, die später zweite Heimat wird; 1936 erste Probleme mit Nazis wegen entarteter Kunst; 1939/40 Auftrag für Rekonstruktionszeichnungen der Medici-Gräber von Michelangelo ermöglicht ihm Ausreise aus Deutschland und Übersiedlung nach Ischia; 1942-44 Arbeit als Dolmetscher bei deutsch-italienischer Kriegsmarine-Werft, da er fließend italienisch spricht und sogar ein Fachwörterbuch verfasst; während der Kriegszeit wenige Arbeiten; Kirchenasyl in Florenz bis 1945; lebt in Florenz und auf Ischia, wo er auch 1950 die italienische Staatsbürgerschaft erhält; neue Bilder beeinflusst durch das Licht und die Landschaft Italiens; 1953-55 Bargheer-Retrospektive in Hannover; Wiedereinzug in sein Haus in Blankenese, was vorher durch Einquartierung nicht möglich war; Teilnahme an der documenta in Kassel 1955 und 59, sowie Ausstellungen weltweit bis 1972; Gastdozent an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg 1957; 1960-68 Afrika-Reisen in verschiedene Länder dort; Professur an der Hochschule der Künste in Berlin 1963-65; Bau eines neuen Hauses in Forio/Ischia 1967/68; Anfang der 70-er Jahre Sammlung klassischer Zeichnungen; 1976 Gründung der Eduard Bargheeer-Stiftung zur Förderung junger Künstler; am 01. Juli 1979 ist der Künstler in seinem Haus in Blankenese verstorben.

 

Frau Harms-Pohl zeigte uns anhand verschiedener Werke die künstlerische Entwicklung Bargheers auf. So z.B. Selbstbildnis „Dorian Grey“ 1927, Raddampfer „Harmonie“ 1932, Boot „Ruderer“ 1939 mit dem Andreaskreuz. Und auch den jeweils neuen Stil während des Weltkrieges und danach. Die Lichtbrechung und Reflexionen der „Südlichen Stadt“, die grobe Farbstruktur bei „Catania“, Sizilien 1962, und das Spätwerk ab 1973 in Blankenese.

 

Die Teilnehmer am Vortrag waren völlig fasziniert von der Fülle der Informationen und bedankten sich durch viel Beifall.

 

Da sich für die kurzfristig angesetzte Führung im Museum im Jenischpark am 6. April mehr Teilnehmer gemeldet hatten als geplant, wurden zwei Gruppen geführt von den Kunsthistorikerinnen Frau Harms-Pohl und Frau Antje von Hein. Bei jeweils 10 Personen waren auch während der Führung, nach einer einleitenden Filminformation, spontan Fragen zur Person des Künstlers, Lebenssituation bei der Schaffung eines Werkes oder zur Bildaussage möglich und konnten für die Teilnehmer verständlich beantwortet werden. Unser Besuchstag war sonnig und so gab es einen wunderschönen Lichteinfall auf die Gemälde.

 

Das neue Bargheer-Museum ist sehenswert und selbstverständlich auch die jetzige Ausstellung, in der, professionell gehängt, ausgewählte Bilder zu bestaunen sind. Die einzelnen Schaffensphasen in dem langen Künstlerleben Bargheers sind wirksam dargestellt und beeindrucken den Betrachter. Die fachlichen und geschichtlichen Erklärungen und Berichte bei einer solchen Führung sind für alle interessierten Besucher etwas Besonderes. Langeweile kam nicht auf, als wir hörten, dass Eduard Bargheer rund 1.500 Ölbilder und 3.500 Aquarelle geschaffen hat. Er soll gesagt haben „Ölgemälde sieze ich, Aquarelle werden von mir geduzt“. Und zum Abschluss der Führung, für die wir uns sehr bedankten gab es noch eine Künstlerweisheit mit: „ Auf dem Wege sein, heißt, nicht zu verharren bei einer Idee, einer Erfindung, die ja stets tausend Möglichkeiten der Entwicklung in sich trägt, sondern den Mut haben, immer wieder einen neuen Weg einzuschlagen, sich wieder aus dem bequemen Hafen auf das hohe Meer des Ungewissen zu wagen“. E.B.

 

 

Manfred Walter

Vortrag Dr. Becker über Istanbul

 

Wie bei unserer Veranstaltung im Januar herrschte auch am Donnerstag, dem 15. Februar, Schnee- und Matschwetter, sodass einige Mitglieder nicht an dem hoch interessanten Vortrag „Istanbul – Hauptstadt zweier Weltreiche“ teilnehmen konnten. Dennoch waren knapp 30 Interessierte erschienen, davon alleine 3 amtierende und 3 ehemalige Vorstandsmitglieder.

 

Herr Dr. Becker hatte zur Information eine Skizze von Istanbul verteilt. So konnten wir bei den gezeigten Dias die Standpunkte der Gebäude eingrenzen. Die Zuhörer erlebten eine spannende Beschreibung über die Geschichte der ehemaligen Metropolen Byzanz, Konstantinopel und die heutige Großstadt Istanbul. Modern, konservativ und orthodox sind die Stadtteile auf der europäischen wie auf der asiatischen Seite höchst unterschiedlich.

 

Manche Zuhörer, die Istanbul bereits selbst besucht hatten, erkannten Straßen, Plätze und Bauwerke wieder und freuten sich darüber. So war Dank und Beifall am Schluss auch von diesen erfahrenen Türkei-Kennern für den facettenreichen Vortrag von Herrn Dr. Becker sicher.

 

Eine kleine Kostprobe: im Jahr 324 n.Chr. gewann Konstantin nahe Byzantion gegen seinen Rivalen Licinius eine Schlacht und entschied sich danach für diese Stadt als zweite Reichs-Hauptstadt neben Rom. 330 n.Chr. wurde Konstantinopel eingeweiht. Zwei arabische Belagerungen konnten überstanden werden. Bei jahrelangem Bilderstreit (726-843) Zerstörung vieler Ikonen und Entfremdung von der westlichen Kirche unter den Päpsten. Hilferuf der oströmischen Kaiser an die westliche Christenheit um 1081 und dennoch Vorbeizug des I. Kreuzzuges. Der 4. Kreuzzug wurde absichtlich 1204 von Venedig gegen Konstantinopel gelenkt, die Stadt geplündert und teilweise zerstört. Sie wird dann Sitz eines lateinischen Kaiserreiches. Im 14. Jahrhundert erobern osmanische Türken immer größere Reichsteile. 1453 dann nach 5-wöchiger Belagerung erobert Sultan Mehmed die stark befestigte Stadt und erklärt sie zur Hauptstadt des osmanisch/türkischen Reiches. Dies bleibt sie bis 1923.

 

Die vorstehenden geschichtlichen Daten zeigen einen Ausschnitt aus der Gesamtentwicklung der Stadt im Zeitraffer. Ein vollständigeres Informationsblatt kann in unserer Geschäftsstelle abgefordert werden. Herr Dr. Becker hat sich bereit erklärt, sogar nach seiner geplanten Wohnraumveränderung für uns im kommenden Jahr wieder über ein Thema unserer Wahl zu referieren.

 

Manfred Walter

Vortrag Dr. Carstensen über Max Pechstein im Januar 2018

 

Mit einem Vortragsabend über den großen, akademisch gebildeten Künstler Max Pechstein begonnen wir unsere Veranstaltungs-Reihe in diesem Jahr. Herr Dr. Hans Thomas Carstensen hat sich mit dem Maler und dessen Leben intensiv befasst und hat uns, wie gewohnt, besondere Blicke auf den Menschen und Künstler Pechstein geboten. Dieser ist am Jahresende 1881 bei Zwickau geboren, studierte an der Kunstgewerbeschule Dresden und wurde Mitglied der Künstlervereinigung „Die Brücke“. Er lebte ab 1908 in Berlin, verbrachte viele Sommermonate in Ostpreußen (Nidden) und kam mit starken Eindrücken aus dem I. Weltkrieg, wo er1916-17an der Westfront eingesetzt war, zurück.

Zuvor hatte er auf einer Reise 1914 nach Palau die einfache Kunst der Naturvölker für sich entdeckt. In den Jahren 1924-25 lebte Max Pechstein in der Schweiz und in Italien. Ab 1933 mit Ausstellungsverbot belegt, zog er sich nach Pommern zurück, und erst 1945 konnte er sein Talent als Professor der Berliner Hochschule für Bildende Künste an seine Schüler weiter vermitteln. Er starb im Juni 1955 in Berlin.

Manfred Walter

 

 

Vortrag Dr. Rauck am 16. November 2017


Zu unserer Freude hatte sich unser Mitglied, Herr Prof. Dr. Rauck, zu einem Vortrag über ein Thema seines früheren Arbeitsgebietes bereiterklärt und freundlicherweise auch noch eine Terminverschiebung akzeptiert. Der Titel war schon geheimnisvoll, und sehr viele, nicht allen Zuhörern bekannten Informationen kamen „ans Licht“. Wer wusste schon, dass Zahnwale zur
Familie der Bären gehören, wie z. B. auch das Walross? Und dass die Evolution den Eisbären vom braunen zum weißen Fell brachte sowie die heutige Entwicklung aus Umweltgründen längerfristig
wieder zurückgeht?

Über 20 Interessierte hörten, dass der Pottwal bis zu 3.000 Meter in den Weltmeeren taucht und dort Kraken, Sepien jagt. Bullen können bis zu 20 Meter lang werden. Schön war, dass Einzelfragen
Gehör fanden und beantwortet wurden sowie eine Reihe von Knochen und Zähnen im Original vorhanden waren.

Danke, Herr Dr. Rauck, für Ihren Verzicht auf Honorar, sodass die gegebenen Spenden des Abends für
die Finanzierung der Raum-und Nebenkosten verwendet werden konnten. Und Dank auch hiermit nachträglich für den lebendigen Vortrag.


Manfred Walter

 

 

Lesung und Vortrag Dr. Cropp am 23. März 2017

 

„Dschungelfieber und Wüstenkoller“ waren die Gegensätze bei der eindrucksvollen, mit Lichtbildern untermalten Vortrags- und Lese-Veranstaltung in der Volkshochschule. Obwohl technische Schwierigkeiten den Beginn verzögerten, verstand es Dr. Wolf-Ulrich Cropp die Zuhörer in die aben- teuerliche Atmosphäre seiner Reise einzubeziehen.

2015 hatte er Lambarene in Gabun besucht (ein Wunsch aus Kindertagen), war im Urwald des Kongobeckens mit Pygmäen sammeln und jagen und hat mit Feldforschern Waldelefanten, Gorillas und Bonobos aus nächster Nähe erlebt. Wir hörten von der Begegnung mit Kindersoldaten und von Fieber, das den Reisenden von den Füßen riss. Und dann von einer Expedition in die Steinwüste des Tschad, mit steilen Felsen, Canyons mit Wasser, Fischen und Krokodilen, einmaligen Felszeichnungen aus Urzeiten und den persönlichen Erfahrungen der Wüsteneinsamkeit.

 

Ein Vortrag, der uns als Teilnehmer ganz erfasste. Schade, dass so wenige Mitglieder gekommen waren, obwohl wir den Vortrag empfohlen hatten. Diejenigen, die dabei waren, hatten am Ende noch viele Fragen und der Beifall war redlich und verdient.

 

Manfred Walter

 

 

Vortrag Dr. Becker am 16. Februar 2017

 

Das war kein trockener Geschichtsunterricht, den wir von Frank Stefan Becker vorgestellt erhielten, sondern eine spannende und empathische Zeitreise vom I. Weltkrieg bis heute über den Nahen und Mittleren Osten.

 

Eindrucksvoll und ausgewogen schilderte Herr Dr. Becker die Situation dort nach den Kriegen im Irak und nach jetzt 5 Kriegsjahren in Syrien. Die Menschen dort leben in anderen Gesellschaften wie der im Westen, die Frauenrolle z. B. oder die Söhne, die als Alterssicherung wert gelten. Der 3. Teil der Reihe „Von Wien nach Bagdad-die Wurzeln des Nahostkonflikts“ zeigte eindeutig die Fehler der Westmächte nach dem WK I auf und damit auch verlorene Glaubwürdigkeit bei den Menschen dort in die westlichen Gesellschaften.

 

Über 30 Teilnehmer hatten sich angemeldet und es waren auch so viele gekommen, jedoch z.T. andere als auf der Anmeldeliste. Wer sich von den Teilnehmern weiter interessierte erhielt nachträglich ein 4-Seiten-Papier über wichtige Fakten und geschichtliche Daten. Für 2018 haben wir Herrn Dr. Becker für einen weiteren Vortrag gewinnen können.

 

Manfred Walter

Vortragsveranstaltung im November 2016

 

Mit Kapitän Jens Elmenhorst hatten wir den fachkundigen Referenten für das Thema „Was ist ein Musikdampfer“ gewonnen. Er berichtete über den Beginn der Passagierschifffahrt und über die Geschichte der Großsegler sowie der ersten Dampfschiffe. 1815 dauerte eine Überfahrt von Hamburg nach New York noch 43 Tage. Durch die fortschreitende Technik, größere Schiffe und leistungsstärkere Maschinen verkürzte sich die Reise schon im Sommer 1848 auf 14 Tage. Im Winter mussten allerdings noch 4 Wochen eingeplant werden. Auf alten und neuen Fotos konnten wir die Zustände an Bord für Besatzung, Auswanderer und die wohlhabenderen Passagiere ersehen und wurden auch über unterschiedliches Essen und Trinken anschaulich informiert. Interessant war zu erfahren, dass vor New York ein riesiges Areal mit Quarantäne-Station angelegt worden war, wo Neuankömmlinge bis zu zwei Wochen bleiben mussten. Der Wettbewerb im Schiffbau verstärkte sich Ende des 19. Jahrhunderts, weil sich das Geschäft mit Luxusreisenden rechnete. 1891 startete z.B. die Auguste Victoria mit 241 Passagieren. 1910 gab es Rauchsalons, die Telegraphie hielt Einzug und 1910/11 wurden bereits Schiffslängen bis zu 270 Meter erreicht. Im I. Weltkrieg waren dann die großen Schiffe als Truppentransporter eingesetzt. 1935 fuhr die „Normandie“ in nur 4 Tagen und 3 Stunden in Rekordzeit über den „großen Teich“. Dennoch war durch das Flugzeug ein enormer Wettbewerb entstanden. Kapitän Elmenhorst gab uns zum Abschluss seines Vortrags noch Hinweise auf das Internationale Maritime Museum, wo er ehrenamtlich arbeitet, und lud zu einem Besuch dort in der Hafen-City ein.

Manfred Walter